Raspberry Pi als Media Center

Die Nutzung sogenannter Mediencenter- oder auch HT-PCs liegt ja schon seit Jahren mehr oder weniger im Trend und war nicht zuletzt einer der Gründe für den Erfolg der schlanken Barebones, an die sich heute nur noch Wenige erinnern dürften. Auch der Raspberry Pi, ein Minicomputer im Kreditkartenformat, scheint für die Nutzung als Mediencenter wie geschaffen zu sein, obwohl der Gedanke dahinter ursprünglich ein anderer war.

Was ist der Raspberry Pi?

Entwickelt wurde der Raspberry Pi als kostengünstiger Phyton Interpreter (daher das Pi im Namen), von dem man sich erhoffte, er würde Jugendliche dazu ermutigen, mit der Hard- und Software zu experimentieren, wie es in der Anfangszeit der Computer der Fall war. Aus diesem Grund hatten die ersten, nicht auf dem Markt erhältlichen Modelle bereits einen Interpreter vorinstalliert. Im Wesentlichen handelt es sich beim Raspberry Pi um einen Computer, der auf einer einzigen, kreditkartengroßen Platine sitzt. Es gibt jedoch ein paar gravierende Unterschiede zu herkömmlichen Windows-PCs, denn zum einen nutzt die CPU die sogenannte “ARM-Architektur”, die vor allem von Handys und Tablets bekannt sein dürfte, zum anderen handelt es sich um ein “System on a Chip”-Design, bei dem sämtliche Komponenten des Mainboards auf einem einzigen Chip zusammengefasst werden. Momentan gibt es zwei verschiedene Grundversionen, die sich jedoch nur in der Größe des Arbeitsspeichers, der Anzahl der USB-Anschlüsse und der Netzwerkschnittstelle unterscheiden. Ansonsten sehen die Spezifikationen wie folgt aus:

  • CPU: ARM1176JZF-S (700 Mhz Single-Core)
  • GPU: Broadcom Video Core IV
  • SoC: Broadcom BCM 2835
  • RAM: 256 MB/512 MB
  • USB: 1 x USB 2.0/ 2 x USB 2.0
  • LAN: RJ45 10/100-Mbit Ethernet-Controller (nur Modell B)
  • Speicher: SDHC-Kartenslot (bis 64 Gigabyte)
  • Weitere Anschlüsse: General Purpose Input/Output; HDMI; FBAS

Da ein Mediencenter beinahe unumgänglich in das heimische Netzwerk integriert werden muss und das Betreiben von W-LAN-Sticks mit dem Raspberry Pi zu Kompatibilitätsproblemen führen kann, kommt für die Nutzung als Mediencenter eigentlich nur das etwas teurere Modell B in Frage. Es gibt Leute, die gute Erfahrungen mit USB-to-LAN-Adaptern gemacht haben, beispielsweise mit
dem MosChip MCS7830, hier sei aber darauf hingewiesen, dass sich die Kernel der Linux-Distributionen teilweise stark unterscheiden und die Kompatibilität mit Peripheriegeräten unterschiedlich ausgeprägt ist.

Vorbereitung

Wer sich überlegt, einen Raspberry Pi als Mediencenter oder HT-PC zu nutzen, sollte vorher wissen, dass dieser zwar relativ erschwinglich ist, jedoch einigen Limitationen unterliegt. Zunächst einmal kann die GPU zwar problemlos Videos in 1080p darstellen und dank h.264-Unterstützung auch selbst dekodieren, jedoch stößt die Hardware bei komplexen Containerformaten (divx, wmv) oder mpeg4 an ihre Grenzen, da die Hardwarebeschleunigung hierfür standardmäßig deaktiviert ist und kostenpflichtig hinzugekauft werden muss. Abspielen lassen sich die Formate im Regelfall je nach Betriebssystem trotzdem, jedoch kann es unter Umständen zu leichten Rucklern kommen. Außerdem wird der Raspberry Pi als “System out of the Box”, also ohne Gehäuse oder sonstige Kabel ausgeliefert. Diese müssen für den Betrieb als Mediencenter ebenfalls hinzugekauft werden. Ein Raspberry Pi kaufen auf Raspberrypikaufen.net.

Software

Ein Grund, warum sich der Raspberry Pi als Mediencenter so gut durchsetzen kann, ist die von Fans des Mini-Computers außerordentlich gut programmierte Software, die sogar regelmäßig mit Updates versorgt wird. Hier hat man auch als Laie gleich mehrere Möglichkeiten, wobei Betriebssysteme wie Raspbian, Pidora, Arch Linux und Risc OS zwar theoretisch ebenfalls als Mediencenter genutzt werden können, in puncto Installation und Individualisierung jedoch ungleich komplizierter sind. Wir empfehlen deshalb die Verwendung von Raspmbc (Raspberry Mediacenter) im NOOBS-Paket oder OpenELEC, wobei die Installation etwa bei beiden Softwarepaekten etwa gleich funktioniert.

Entscheidet man sich für eine der zwei im letzten Abschnitt genannten Mediacenter-Distributionen, benötigt man eigentlich nur einen handelsüblichen Windows-PC sowie eine ausreichend große SD-Karte (etwa 2 Gigabyte für NOOBS, etwa 1 Gigabyte für OpenELEC). Nach dem Herunterladen und Ausführen des Installers bereitet dieser die Speicherkarte selbstständig für die Installation vor und formatiert diese, falls nicht schon geschehen, automatisch. Die so vorbereitete SD-Karte lässt sich dann in den bereits am Fernseher oder Monitor angeschlossenen Raspberry Pi stecken und das Betriebssystem wird nach kurzer Ladedauer ebenfalls automatisch installiert. In den Paketen sind alle gängigen Treiber, beispielsweise für USB-Festplatten, Tastaturen, Mäuse oder gar Fernbedienungen bereits enthalten, was besonders Laien die erstmalige Installation erleichtert. Zudem handelt es sich zumindest bei Raspbmc um eine angepasste Version des XBOX-Mediacenters, die bereits seit Jahren auf HT-PCs zum Einsatz kommt. Entsprechend komfortabel sind die Menüs und die Bedienung. Hier dürfte sich jeder schnell zurechtfinden.

Tipps und Tricks

Sowohl Raspbmc als auch OpenELEC möchten nach erfolgreicher Installation die eigene Filmbibliothek “indizieren”, um dem Nutzer die Suche zu erleichtern. Dazu wird der Dateiname mit diversen Internet-Bibliotheken abgeglichen, was aber nur dann klappt, wenn dieser auch richtig benannt wurde. Sollte es also mit der Indizierung, die übrigens selbst bei ordentlich sortierten Bibliotheken ein paar Stunden dauern kann, Probleme geben, lohnt es sich, die Dateinamen so aussagekräftig wie möglich zu gestalten. Heißt ein Film also beispielsweise DmdWt_HD lohnt es sich diesen in Der_mit_dem_Wolf_tanzt_HD umzubennen, auch wenn es komisch aussieht.

Darüber hinaus kann noch eine zweite Sache die Freude mit dem Raspberry Pi Mediencenter verhageln, nämlich die etwas unterdimensionierten USB-Anschlüsse. Der Grund: Die Spezifikationen von USB 2.0 erlauben nur eine Stromversorgung von 500 Milliampere für externe Geräte und diese wurden strikt eingehalten. Viel zu wenig für moderne Festplatten mit 3.0-Standard. Sollte trotz Abwärtskompatibilität die Festplatte also einfach zu wenig Strom bekommen, lohnt sich der Umstieg auf Modelle mit externen Netzteilen. Auch ein mit zusätzlicher Stromversorgung ausgestatteter USB-Hub brachte schon so manches Mal Abhilfe, da hier der Strom nicht auf etwaige Zweitgeräte (Mäuse, Tastaturen) verteilt werden muss.